Meine Geschichte

Meine Geschichte

Die Migräne und ich

Meine Migräne hat sich schleichend entwickelt. Ich hatte als Jugendliche schon immer mal Kopfschmerzen, gegen die Kälte gut geholfen hat (ich habe dann kaltes Wasser ins Waschbecken laufen lassen und meinen Kopf reingehängt), aber es war nie so häufig und so schlimm, dass ich irgendwie beeinträchtigt war.

Mit Anfang 30 hatte ich 2 – 3-mal im Monat starke Kopfschmerzen bei denen die normalen Schmerzmittel nicht geholfen haben. Beim Neurologen habe ich dann abklären lassen, ob organisch alles in Ordnung war. Glücklicherweise war es das.

Vom Arzt bekam ich die Diagnose Migräne. Er entließ mich mit einem Rezept für Triptane (spezielle Schmerzmittel gegen Migräne) und mit der Aufforderung mich gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu treiben, was ich sowieso schon machte. Ich war glücklich über die Triptane, die zuverlässig meine Migräneschmerzen bekämpften. Mit ihrer Hilfe habe ich normal gelebt.

Nach einigen Jahren änderte sich das und es ging mir immer schlechter.

Mit Ende 30 bekam ich etwa 2- 3-mal pro Woche Migräne. Da ein Migräneanfall oft 2 Tage dauerte, war schmerzfreie Zeit also selten.

Das war eine sehr schwierige Zeit.

Zusätzlich zu den Schmerzen hatte ich noch andere Beschwerden. Ich war ständig müde und erschöpft, konnte aber nicht richtig schlafen. Ich weiß noch, dass ich richtig verzweifelt war, als ich trotz totaler Erschöpfung dalag und partout nicht einschlafen konnte. Vormittags brauchte ich ewig und eine Unmenge von Kaffee um einigermaßen in die Gänge zu kommen. Bei der Arbeit am Computer taten mir die Augen weh, was wiederum zu Kopfschmerzen und Migräne führte. In der Arbeit war ich sehr gehemmt und unsicher. Ich bekam Herzklopfen, wenn ich vor mehreren Leuten reden musste.

Kurzum ich musste meine ganze Energie aufwenden, um den ganz normalen Alltag mit Arbeit, Haushalt und Kindererziehung einigermaßen zu schaffen.

Schöne Unternehmungen mit der Familie oder Treffen mit Freunden kamen viel zu kurz.

Meine Lebensqualität war sehr eingeschränkt und ich machte mir große Sorgen, wenn ich an meine Zukunft dachte.

Als letzter Ausweg erschien mir nur ein Triptanentzug, den ich unter ärztlicher Aufsicht machen wollte. Ich hatte einen Termin beim Schmerzarzt und wollte mich dort zum Medikamentenentzug in ein naturheilkundliches Krankenhaus einweisen lassen.

Ich war überzeugt, dass auch 10 Tabletten im Monat zu viel waren und die Triptane selber Migräne auslösen konnten. Die Ärztin erklärte mir aber, ich sei viel zu gesund, um stationär aufgenommen zu werden. Als ich daraufhin in Tränen ausbrach, wollte sie mich an einen Psychotherapeuten überweisen, da ich offensichtlich seelischen Beistand brauchte. Und Triptane hätten richtig eingenommen absolut keine Nebenwirkungen. Danach war ich richtig enttäuscht. Ich fühlte mich auch so hilflos.

Daraufhin habe ich stundenlang im Internet nach Nebenwirkungen von Triptanen gesucht.

Das war das erste Mal, dass ich auf die Seite www.migraeneinformation.de von Peter Mersch stieß.

Er litt selbst viele Jahre an Migräne und hat nach jahrelanger Recherche seine Migräne durch eine Ernährungsumstellung heilen können. Allerdings fand ich den Ansatz sehr gewagt, von einem Fettstoffwechsel hatte ich auch noch nie etwas gehört. Also entschied ich mich erst einmal für den Ansatz eines amerikanischen Arztes, den ich auf einem Blog gefunden hatte (DAS MIGRÄNEPROJEKT). Im ersten Schritt geht es darum Kaffee und Triptane wegzulassen, im weiteren Schritt dann potentiell migräneauslösende Lebensmittel.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich ohne Triptane und ohne Kaffee überleben konnte. Aber ich versuchte es und es ging tatsächlich. Die Migräne wurde schwächer, war aber immer noch häufig. Das war auf Dauer irgendwie unbefriedigend.

Ich spielte mit dem Gedanken die von Peter Mersch empfohlene kohlenhydratarme Ernährung auszuprobieren. Aber irgendwie scheute ich davor zurück. Ich war sowieso schon so schlapp und kraftlos und sollte nun noch Zeit und Energie investieren, um mich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Als ich wieder mal krank und frustriert wegen Migräne zu Hause war, wollte ich es doch wissen. Was hatte ich denn zu verlieren? Also strich ich fast alle Kohlenhydrate von meinem Speiseplan und es ging mir …. erstmal schlechter. Ich war schon immer ein Kohlenhydratjunkie und als ich nun von einem auf den anderen Tag den Kohlenhydratanteil radikal auf ca. 20g reduzierte, hatte ich Dauerkopfschmerzen und war extrem schlapp. Mittlerweile weiß ich, dass es besser gewesen wäre, langsam zu reduzieren. Durch das Internet-Forum wusste ich zum Glück, dass es dauert bis sich die ersten Erfolge einstellen. So war ich zwar manchmal verzweifelt, weil es gar so lang dauerte, aber nach 3 Monaten ging es mir tatsächlich wesentlich besser.

Und heute geht es mir richtig gut.

Von der chronischen Migräne bin ich geheilt.

Ich habe immer noch Migräne. Aber sie ist viel seltener als früher. Und sie ist viel schwächer, ich kann die Schmerzen gut aushalten oder es helfen normale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen. Triptane nehme ich nach wie vor nicht. Die Migräne von heute ist auch nicht vergleichbar mit einer Migräne von früher. Damals wurde eine Migräne immer schlimmer und sie dauerte mindestens zwei Tage, heute sind es eher Kopfschmerzen.

Und es gibt noch andere schöne „Nebenwirkungen“

  • Ich schlafe endlich wieder gut
  • ich freue mich an meinem Leben
  • ich bin viel selbstsicherer
  • ich ruhe mehr in mir selber, fahre nicht mehr so leicht aus der Haut
  • da ich weiterhin keine schnellen Kohlenhydrate und dafür viel gesunde Fette esse, habe ich keine Heißhungerattacken mehr, ich kann problemlos 4 – 5 Stunden ohne Essen auskommen
  • ich kann wieder Sport machen
  • mir schmeckt mein Essen viel besser

 

Wenn man bedenkt, dass die Migräne in den Augen der Schulmedizin eine unheilbare, genetisch bedingte Krankheit ist und ein Migräneprophylaxe-Medikament als erfolgreich gilt, wenn die Anfallshäufigkeit in einem Monat um mehr als 50% reduziert werden kann, dann klingt der Verzicht auf schnelle Kohlenhydrate gar nicht so schlimm.

Der Entschluss meine Ernährung umzustellen, war einer der besten, den ich je getroffen habe.  Dadurch fühlte ich mich nicht mehr hilflos und ausgeliefert, sondern ich hatte die Zügel wieder in der Hand. Das gab mir auch Kraft und Zuversicht. Der Weg war mitunter holprig und lang, aber ich habe wahnsinnig viel gelernt und mein „Lebensthema“ gefunden.

Ich finde es faszinierend, dass man mit Ernährung so viel beeinflussen kann.

Und das Beste daran ist, es schmeckt richtig gut!  …Und macht satt! …Und glücklich!

 

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